Im Rahmen des Sponsoring für das GlobalFutureCamp freue ich mich, einen Artikel unseres Sponsors Delinat hier zu veröffentlichen.
Viel Spass beim Lesen und noch mehr am Freitagabend den 18.9. beim Verkosten der Wein in der Kalkscheune ab 20h.
Moritz Avenarius

Eine zweite Bio-Revolution tut Not!

Vor etwa 30 Jahren fand die erste Bio-Revolution statt: Engagierte, kreative Menschen, Landwirte und Alternative fingen an, der konventionellen, industrialisierten Landwirtschaft den Rücken zu kehren und ökologische Produkte zu erzeugen. Bio-Landwirt oder Bio-Winzer musste man aus Überzeugung werden – viel Geld war damit nicht zu verdienen. Mit Ideen und Idealismus schafften die „grünen Spinner“ sich aber ihre Nische: Die ersten Bioläden entstanden, die Zahl der biologisch wirtschaftenden Höfe wuchs und vereinzelt war hier und da bereits ein Bio-Winzer zu finden; der Grundstein zu einer stetig wachsenden Öko-Bewegung war gelegt.

Seitdem ist viel passiert: Bio boomt, Öko ist Trend. Die Grünen sind eine etablierte Partei, jeder Supermarkt und selbst so mancher Discounter bietet ein reichhaltiges Bio-Sortiment. Bio ist Mainstream – aber wie hat das die Produktion der biologisch erzeugten Waren verändert? Mit zunehmender Popularität der Bio-Produkte wächst auch die nachgefragte Menge. Um diese zu erzeugen, findet auch im Bio-Sektor seit Anfang dieses Jahrhunderts eine regelrechte Industrialisierung statt – und die internationalen Bio-Richtlinien werden lascher. Mit staatlichen Subventionen ist in den vergangenen 10 Jahren eine neue Generation Bio-Erzeuger entstanden. Viele entscheiden sich aus finanziellen Gründen für den Bio-Anbau: Giftige Pestizide werden gegen bio-zertifizierte Spritzmittel ausgetauscht. „Im Kopf hat aber kein eigentliches Umdenken stattgefunden, noch immer werden die ,bösen Schädlinge’ bekämpft. Das geht etwa so gut, wie wenn ein Schulmediziner Antibiotika und Schmerzmittel gegen homöopathische Arzneien austauscht, aber weiter gegen ,Erreger‘ kämpft anstatt für den Patienten.“ So sieht es Karl Schefer, der den Biowein-Versand Delinat 1980 gründete.

Bio-Produkte werden also in zunehmendem Masse industriell hergestellt, und damit stellen sich neue Fragen und Probleme: Ist es besser, Kompromisse einzugehen, damit grössere Mengen an Bio-Lebensmitteln erzeugt werden können? Kann das eine Antwort auf die Fragen unserer Zeit sein (Stichwort Klimawandel)? Was unterscheidet industriell hergestellte Bio-Lebensmittel noch von konventionellen Produkten? Sind sie immer noch schmackhafter und gesünder? Was ist mit den Böden, auf denen diese Produkte erzeugt werden? Sind diese Böden lebendiger als die der konventionellen Landwirtschaft?

Hier möchte ich an den Claim des GlobalFutureCamp erinnern: „Es geht um unsere gemeinsame Zukunft auf diesem Globus – gestalten wir sie menschlich und nachhaltig, für uns und künftige Generationen!“ Sicherlich: Es ist positiv zu werten, dass immer mehr Flächen ökologisch bewirtschaftet werden; selbst im konventionellen Anbau wird weniger bzw. nicht mehr ganz so giftig gespritzt. Aber kann das schon alles sein? Nicht nur Öko-Fundis kritisieren zu Recht, dass durch Anbau in grossen Mengen Ziele, Ideale und Qualitäten des ökologischen Landbaus immer mehr verwässert werden.

Keine Frage – die Bio-Landwirtschaft braucht neue Impulse. Hier setzt Delinat an: Im Juni dieses Jahres wurde das Delinat Institut für Ökologie und Klimafarming gegründet. Die gemeinnützige Stiftung hat ihren Sitz mitten in den Weinbergen des Schweizer Wallis. Delinat brachte das Stiftungskapital ein und der Walliser Winzer Hans-Peter Schmidt sein Weingut Mythopia in die Stiftung. Fünf Forscher und Winzer sind bereits angestellt, wie auch mehrere Praktikanten, Diplomanden und Doktoranden. Alles läuft in der Praxis ab – der Weinberg ist das Labor. Nichts weniger als ein Leitbild für den europäischen Weinbau der Zukunft soll hier geschaffen werden. Ziele der Ökologieforschung im Institut sind

1.Erhöhung der Biodiversität
2.Pflanzenschutz durch pflanzliche Heilmittel
3.Verbesserung der Bioaktivität und Gesundung der Terroirböden
4.Klimaneutralität der Weinberge
5.Erhöhung der Weinqualität und Ausprägung des Terroir-Charakters

Und so soll dann die Ökologisierung umgesetzt werden: Auf dem Mythopia-Weingut werden risikoreichere Versuche in kleinem Rahmen durchgeführt; auf dem Delinat-Weingut Château Duvivier werden die Forschungsergebnisse in grossem Massstab mit dem Ziel wirtschaftlicher Rentabilität angewandt. In verschiedenen Weinbauregionen Europas werden weitere Pilot-Zellen ausgewählt, um Vorzeigeflächen zu schaffen, welche die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Ökologisierung belegen.

Das ausführliche Forschungsprogramm findet sich unter www.delinat-institut.org. Weiterführende Texte und Bilder gibt es im Ithaka Journal unter www.delinat.com/ithaka. Hier sind Kommentare willkommen!

Vor zehn Tagen hatte ich die These aufgestellt, das Internet sei nur eine Hälfte des Wandels, der kommen muss. Welche Handlungsmacht es dennoch eröffnet, hat Agnieszka Krzeminska in ihrem letzten Eintrag über Smart Mobs beschrieben. Claus Leggewie und Harald Welzer vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen knüpfen in ihrem neuen Buch Das Ende der Welt, wie wir sie kannten genau daran an, wenn sie eine neue “APO 2.0″ ausmachen: Bürger, die nicht länger darauf warten, dass die Politik den Change vielleicht eines Tages anschiebt, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen – und zwar maßgeblich mit Hilfe des Internet und des Web 2.0.

Das ist längst keine Vision mehr, sondern findet täglich statt. Für einen Augenblick möchte ich aber auch hier die Euphorie bremsen: Denn diese Entwicklung ist noch kein Selbstläufer, der nicht mehr zu stoppen ist. Dazu vier Thesen:

1. Das Internet gehört niemandem – uns aber auch nicht.
Wir neigen dazu, das Internet als Infrastruktur zu sehen, die “einfach da” ist und von niemandem kontrolliert wird. Das stimmt leider nicht. Es basiert zwar auf offenen technischen Standards, die kein Privateigentum sind. Die Netze, in denen der Datentransport stattfindet, sind es jedoch sehr wohl. Seit einiger Zeit gibt es von Seiten verschiedener Netzbetreiber immer wieder Vorstöße, für bestimmte Inhalte zusätzliche Durchleitungsgebühren einzuführen. Sie bedrohen das Prinzip der Netzneutralität, nach dem alle Daten gleich behandelt werden und das den Erfolg des Internet als Bürgermedium und -plattform entscheidend mit ermöglicht hat.

2. Unsere Transparenz kann gegen uns verwendet werden.
Das Web hat sich zum gigantischen sozialen Interaktionsraum entwickelt. Viele der großen Plattformen, die wir dafür nutzen, sind jedoch nicht in Bürgerhand, sondern schlichte Dienstleistungen von Unternehmen. Die wollen damit zuerst Geld verdienen (auch wenn einige das noch nicht tun), so dass die Versuchung groß ist, die Daten und Inhalte, die wir erzeugen, zu verwerten. Der glücklicherweise zurückgenommene Versuch etwa von Facebook, mit geänderten Geschäftsbedingungen sich die Userdaten vollends anzueignen, verdeutlicht, was auf dem Spiel steht. Die Vorratsdatenspeicherung wiederum zeigt, dass sich die Unternehmen dem Zugriff der Politik nicht entziehen können. Und deren Begehrlichkeiten nehmen noch zu: hierzulande als derzeit noch heimliche Online-Durchsuchung, in Ländern wie Iran oder China durch direkte Zensur und Überwachung.

3. Wir brauchen Weapons of Mass Construction.
Auch wenn wir als Change Agents der APO 2.0 im Netz immer mehr auf die Beine stellen, ist es noch lange kein Bürgernetz. Das könnte es mit freier Software nach dem Peer-to-Peer-Prinzip aus Millionen Rechnern werden. “Think big” gilt nicht nur für Google. Das Projekt ESPRA von Aktivisten aus London und Berlin war ein Versuch, selbst groß zu denken: eine Infrastruktur für die Bürgergesellschaft, die niemandem gehört, in der sie ihre Aktivitäten jenseits von Diensten wie Facebook organisiert und “Mesh Identities” mit je eigenen “Trust Maps” den Missbrauch von Nutzeridentitäten verhindern sollen. Solch ein Bürgernetz würde uns “Weapons of Mass Construction”, so die ESPRA-Aktivisten, zur Verfügung stellen, mit der wir den Wandel selbst gestalten können.

4. Das Internet muss lokal geerdet werden.
Die kritische “Weltöffentlichkeit”, die im Netz sichtbar wird, ist zwar beeindruckend. Aber eine globale Vernetzung genügt nicht. Mit ihr kann man zwar Debatten in einem ganz neuen Ausmaß führen und Proteste etwa gegen G8-Gipfel organisieren. Aber der Wandel, den so viele herbeisehnen, wird an Millionen Orten durch konkrete Handlungen entstehen – nicht allein durch Druck auf die internationale Politik und auch nicht in Facebook-Schwärmen. Das Internet könnte das zentrale Werkzeug für lokale Demokratie werden, die zugleich ein globales Bewusstsein hat. Das wird meines Erachtens nur gelingen, wenn Online-Communities auch Offline-Communities werden.

“Die Macht zu handeln entsteht durch Arbeit, Verstand, Leidenschaft und Affekt an einem gemeinsamen Ort”, schrieben Antonio Negri und Michael Hardt in Empire. Diesen Ort mit zu erschaffen, ist für mich die größte Herausforderung des Internet in den kommenden Jahren.

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Als sich das Internet in den 90er Jahren stark ausbreitete, beflügelten progressive Jungunternehmer die Börsenwelt mit Ideen von bahnbrechend neuen Geschäftsprozessen und Produkten. Damals ahnten nur wenige, dass es die soziale Interaktion sein wird, die den eigentlichen Clou an den neuen Medien ausmachen wird.

“Der wahre Wert des Netzes liegt weniger in der Information, als in der Gemeinschaft”,

sagte schon in den 80ern Nicholas Negroponte, Leiter des Media Lab am MIT.

Vor 2 Jahren wurden Soziale Netzwerke zum größten Web-Trend ausgerufen, der Riesentrend dieses Jahres ist Twitter, ein real-time Kommunikationsnetzwerk.

Was liegt also näher als die next revolution in den technologie-vermittelten und sozial emergenten Prozessen zu suchen? Schwarmintelligenz , “social swarming”, “smart mobs”, das sind die Werkzeuge dafür.

Der Begriff Schwarmintelligenz wurde zum ersten Mal verwendet in der Wissenschaft der Künstlichen Intelligenz. Ausgehend von Staaten bildenden Insekten (z. B. Bienen, Ameisen, Termiten) wird versucht, die dort verwendeten Lösungsstrategien des koordinierten Handelns zu übertragen. Obwohl die einzelnen Individuen weitgehend unabhängig voneinander agieren, lösen sie gemeinsam komplexe Probleme.

Das Konzept der smart mobs hatte Howard Rheingold in seinem Buch Smart Mobs: The Next Social Revolution (2003) vorgestellt. Mobile Medien und das Internet befähigen die Menschen dazu, „gemeinsame Aktionen auf neue Art und Weise zu organisieren – mit Menschen, mit denen sie zuvor keine derartigen Aktivitäten organisieren konnten, in Größenordnungen, an Orten und in einer Geschwindigkeit, in der dies zuvor nicht möglich gewesen wäre“.

Ob bei Studentenprotesten in Taiwan und Chile, Unruhen in Frankreich oder Demonstrationen auf den Philippinen: Neue Technologien verändern Rheingold zufolge die Art und Weise, in der Menschen sich organisieren, verabreden und Informationen austauschen.

„Steht die Welt vor einer neuen Form des Aktivismus und der Bürgerbeteiligung?“,

keine Frage für den 62-jährigen Sozialwissenschaftler und Web2.0 Vordenkers, nach dessen Meinung smart mobs auch in der Politik Spuren hinterlassen: „Die Demonstrationen, die die Wahlen in Korea und Spanien entschieden haben, wurden per SMS organisiert.“

Es gibt viele erfolgreiche Beispiele wie Initiativen, drängende Bedürfnisse oder einfach nur andere Meinungen, mit smart mobs nicht nur Aufmerksamkeit erregten, sondern . Die Protestaktionen beim G8-Gipfel in Genua wurden auch nur mit Handys und dynamischen Websites organisiert, ohne übergeordnete Steuerungsinstanz. Die critical-mass.org legt den Autoverkehr lahm mit einem Schwarm voller Fahrräder auf einer sonst von Autos dicht befahrenen Strasse. Smart Mobs haben im Jahr 2001 in Manila zum Sturz des unter Korruptionsverdacht stehenden Präsidenten Joseph Estrada beigetragen – wo auch immer der unbeliebte Politiker auftauchte, organisierten Smart Mobber blitzschnell Demonstrationen. Knapp eine Stunde nachdem aktuelle Nachrichten über Korruption verbreitet wurden, wurde eine SMS-Nachricht weitergeleitet: (Go 2EDSA, Wear black). Es erschienen Tausende schwarz gekleideter Demonstranten an öffentlichen Plätzen. Im Juni diesen Jahres wurde Twitter zu einer wichtigen Quelle und zum Koordinationsinstrument für die iranische Protestbewegung. Gleichzeitig wurde vom iranischen Geheimdienst auf gleichem Wege gezielt Desinformation betrieben.

Trotzdem: Für die Aufgaben der Gesellschaft der Zukunft sind Experten und (Meinungs-) Führer eher das Auslaufmodell, sagt James Surowiecki in seinem Buch “Die Weisheit der Vielen” (2004). Eine durchaus kritische Rezension des Buches finden Sie in den (LOMU-Materialien).

Das Geheimnis hinter der Schwarmintelligenz heißt kollektive Selbstorganisation. Ein Schwarm kann als eine Gruppe von Individuen beschrieben werden, die mittels direkter Kommunikation, selbstorganisiert und ohne (großartige) vorhergehende Planung, zielgerichtet agieren kann. Das Ziel ist die Durchsetzung gemeinsamer Interessen, Themen stehen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Kommunikationstechnologien ermöglichen seine Durchsetzung auf eine unglaublich effiziente und effektive weise. Dies erfordert aber auch ein hohes Maß an Selbstorganisation, da keine zentralisierte Form einer Oberaufsicht existiert. Und hier liegt vielleicht genau das Problem. Bequemlichkeitserwägungen vs. Zielsetzungen, Eigennutzen vs. Gemeinnutzen.
Wieviel ist man denn bereit zu investieren?
Haben Sie schon mal (bei) einem smart mob mitgemacht? Glauben Sie ein smart mob kann eines Tages tatsächlich zum politischen oder System-Umbruch führen? Oder sogar bei den relevanten Entscheidungen für eine wünschbare Zukunft eine Rolle spielen?

Herzlichst,
Agnieszka Krzeminska
Twitter: @Monade

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Vom 7. bis 11.9. blogge ich im Wechsel mit Ole Wintermann bei: innovativ-in

Mein Post von heute:

Das BarCamp-Format: Unterwegs von Irritationen zu Inspirationen

Viel Spass bei Besuch und Lesen auf innovativ-in und ein großes Dankeschön an die Herausgeberin Elita Wiegand.

Unsere Begeisterung für das Internet scheint keine Grenzen zu haben. Gut, es gab eine kleine Delle, als die Dotcom-Party vorbei war. Aber dann ging es eigentlich erst richtig los: mit Online-Communities und Metaversen, Blogs und Bürgermedien, dem Netz als Film- und Musikplattform 24/7 und globalen Gesprächen à la Twitter, das Ganze zum produktiven Lebensgefühl veredelt durch die Rede von der digitalen Bohème, die kraft ihrer Laptops und iPhones nicht nur die Arbeitswelt, sondern gleich noch die Gesellschaft umkrempelt.

Der Rest, die Fabriken, die Ölfelder, die Minen, die Transportsysteme, die Landwirtschaft, all das ist ein notwendiger Unterbau. Ein Erbe vergangener Zeiten, das als gesetzt gilt. Eine globale Arbeitsteilung sorgt dafür, dass dieser Unterbau effizient funktioniert. Für die Digerati ist er unsichtbar, denn sie schauen in die Zukunft, und die ist digital. Das Web 2.0 ist erst der Anfang.

Diese Perspektive kommt natürlich nicht aus dem Nichts. 1973 kündigte etwa der US-Soziologe Daniel Bell “The Coming of Post-Industrial Society“. Für die “entwickelten” Länder wurde daraus die Informationsgesellschaft, in der Dienstleistungs- und Kultursektor die klassische Industrie als Hauptquelle der Wertschöpfung ablösten.

Aber eigentlich fängt diese Entwicklung noch viel früher an: für den US-Physiker Neil Gershenfeld am Ende der Renaissance. Damals “…entwickelte sich die Vertrautheit mit den freien Künsten zum Inbegriff von Bildung.” Die freien Künste, die artes liberales, kann man auch als Kopfarbeit bezeichnen. Sieben gab es, und man kann sie, wenn man so will, sogar im Internet wiederfinden: Grammatik (Blogs), Rhetorik (Twitter), Logik (Software), Arithmetik (Online-Handel), Geometrie (Animationen), Astronomie (Google Earth) und Musik.

Die unfreien Künste, Handwerk, Landwirtschaft und Baukunst, sanken zu niederen Tätigkeiten herab und wurden schließlich in der Industriellen Revolution maschinisiert. Die Folge: „Die Ausdruckskraft von Maschinen, die Dinge machen, ist auf der Seite der Hersteller, nicht der Verbraucher, verblieben“, schreibt Gershenfeld in seinem Buch Fab.

Das wäre auch nicht bedauerlich, wenn dieser Unterbau der Produktion nachhaltig wäre. Dann könnten wir uns freuen, dass die freien Künste im Internetzeitalter plötzlich Produktionsgrundlagen für die digitale Welt  geworden sind, die uns für die Zukunft die Wertschöpfung sichert. Leider ist es so nicht: Es wird immer offensichtlicher, dass die heutige globale Arbeitsteilung in der Produktion von Dingen weder ökologisch noch sozial nachhaltig ist.<

Eine zukunftsfähige Gesellschaft wird zu einer lokalen Produktion übergehen müssen. Die ist aber nur möglich, wenn wir die Trennung von praktischer Arbeit (Dinge herstellen) und Kopfarbeit (Ideen herstellen) überwinden.

Dafür brauchen wir zum einen eine neue praktische, technische Bildung für alle. Mit Gershenfeld könnte man sagen: Wir müssen nicht nur mit Bits umgehen können, sondern auch mit Atomen. Zum anderen brauchen wir dafür die Mittel. Gershenfelds Idee: Fab Labs, neue Hightech-Werkstätten für die lokale Produktion von morgen.

Die Betonung liegt auf Hightech. Gershenfeld ist kein Primitivist, der ins Mittelalter zurückwill. Am ersten Fab Lab, das er am Massachusetts Institute of Technology aufgebaut hat, brachte er seinen Studenten bei, computergesteuerte Maschinen zu bedienen sowie Schaltungen zu entwerfen und zu programmieren – also “digitale Handarbeiter” zu werden. Sein langfristiges Ziel: Irgendwann soll jedes Fab Lab auch die Maschinen produzieren können, aus denen es selbst besteht. Und mehr noch: Die Fab Labs selbst und das, was in ihnen entsteht, sind Open Source, also frei weiterverwendbar. “Fab Labs haben kein Geschäftsmodell”, sagt Gershenfeld.

Inzwischen gehören zu seiner Fab Foundation Fab Labs unter anderem in Costarica, Ghana, Südafrika und Indien, und in vielen anderen Städten gründen Leute auf eigene Faust solche Hightech-Werkstätten. Sie sind keine Gegenbewegung zur sozialen und schöpferischen Kraft des Internet – sie ergänzen es. Sie sind gewissermaßen die fehlende zweite Hälfte einer neuen Gesellschaft mit einer technischen Demokratie.

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Die Welt dreht sich immer schneller: Informationsaustausch und technische Entwicklung schreiten in rasantem Tempo voran, ihre Ausdehnung wird immer größer und erreicht in kürzester Zeit globale Märkte. Wege zur gesuchten Information, zur Ware oder zu Personen werden vielfältiger und kürzer aber auch komplexer. Entwickler und Händler, Rezipienten und Konsumenten stehen vor einer Vielfalt von Optionen und müssen schnelle Entscheidungen treffen.

Hier können Ergebnisse von Zukunftsstudien, wie zum Beispiel: globale Szenarien, Einschätzungen von Folgen technologischer Entwicklung und ihren Einfluss auf das soziokulturelle Leben, Untersuchungen über Werteprioritäten im gesellschaftlichen Leben, urbane Subkulturen, Trends und Moden – eine effiziente Orientierung und höhere Entscheidungssicherheit geben.

Wenn es da nicht das Problem der richtigen Prognoseerstellung gäbe.

Alltäglich begegnet es uns bei der Wochenendplanung in der Wettervorhersage oder bei Stauprognosen für die großen Sommerferien.
Im wirtschaftlichen Bereich sind es die kurzfristigen Konjunkturprognosen, die das Aufkommen einer Inflation oder einer Krise ankündigen, die sich durch entsprechende Erwartungshaltung der Wirtschaftsteilnehmer, verbunden mit dazugehörigem Handeln, realisieren oder in ihrer Wirkung noch verstärkt werden können.

Der amerikanische Nationalökonom K. Wheeler beschrieb eine solche Wirtschaftsstimmung so:

„Sie entsteht unbewusst im Einzelmenschen oder durch gemeinsamen Stimulus in vielen Individuen und verbreitet sich unentwegt von einem Individuum zum anderen, wie ein Waldbrand von Baum zu Baum. Es ist jedoch das Brennbare im Baum, das die Verbreitung des Feuers möglich macht….; und wie auch grüne, gesunde Bäume im Waldbrand umkommen, wirft die Ansteckung der Massengefühle auch nüchterne Menschen um.“

Die Antizipation eines Ereignisses kann sein Eintreffen bewirken.
Ein bildhaftes Beispiel aus der Antike liefert uns die Sage vom Ödipus, der allen Vorkehrungen seiner Eltern zum Trotz die prophezeite Usurpation beging.

Dieses Phänomen nennt man selbsterfüllende Prophezeiung, weil sie den Effekt herbeiführt – auch wenn er unter „objektiven“ Gesichtspunkten gar nicht (mehr) eintreffen müsste.

Umgekehrt verhält es sich mit langfristigen Prognosen, deren Fokus weniger auf exakten Voraussagen liegt, als daran mögliche Problem- und Gefahrenfelder aufzuzeigen. Dadurch können Maßnahmen und Handlungen eingeleitet werden, die diesen unerwünschten Perspektiven entgegenwirken. Sie heben gleichzeitig die Gültigkeit der Voraussagen auf.
Als Beispiele hierzu können in der Vergangenheit ausgerufene Bildungsnotstände oder Hauhaltslöcher dienen, die durch Anstrengungen des Saates und der Privatwirtschaft durch gewonnene qualifizierte Arbeitskräfte bzw. Sparmaßnahmen entgegengewirkt wurde. Dieses Phänomen nennt man selbstzerstörende Prophezeiung.

Doch nicht nur diese zwei Phänomene erschweren die Vorhersage kommender Entwicklungen, denn alle Aussagen über die Zukunft sind prinzipiell mit Ungewissheit und dem Problem der Zuverlässigkeit behaftet.
Zukünftige Ereignisse und Entwicklungen sind nicht analytisch exakt berechenbar und damit zuverlässig prognostizierbar. Dieser Umstand macht die wissenschaftliche und technologische Vorausschau zu einem problematischen und umstrittenen Feld wissenschaftlicher Betätigung.

So muss mit einer hohen Komplexität der Situation umgegangen werden können: einer großen Anzahl von Einflussfaktoren, deren möglichen Wechselwirkungen in einem dynamischen Umfeld. Unerwartet auftretende Störereignisse (Wild Cards) können bei der Prognoseerstellung nicht hinreichend berücksichtigt werden. Die Selbstorganisation bzw. Autopoiesis sozialer Systeme (N. Luhmann), die sich u.a. durch Eigendynamik und Lerneffekte (wie in sich selbst erfüllenden bzw. zerstörenden Prophezeiungen) äußern, erschweren zusätzlich die Vorhersage künftiger Entwicklungen.

Angesichts dieses Prognose-Dilemmas könnte man einerseits grundsätzlich jede Art von Vorausschau als spekulativ und unwissenschaftlich abtun. Man könnte aber auch versuchen, die Unsicherheit der Aussagen über die Zukunft zu reduzieren. So ließe sich das bestehende Zukunftswissen für den Diskurs und die Entscheidung darüber öffentlich zugänglich machen, welche Art von Zukunft überhaupt erwünscht ist und welche unbeabsichtigten Folgen möglicherweise auftreten können.

Hier kommt dem Medium Internet eine große Bedeutung zu. Abstimmungen, Meinungsumfragen, eigene Zukunftsentwürfe und viele andere Formen der Partizipation lassen sich so effizient und im großen Rahmen durchführen.

Würden Sie an solchen Diskursen teilnehmen wollen?  Was spricht dafür und was dagegen? Hat Partizipation in einen Zukunftsdiskurs überhaupt Sinn?

Herzlichst,
Agnieszka Krzeminska
Twitter: @Monade

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Kann man die Welt mit reden verändern oder können dies nur „konkrete“ Taten bewirken? Bei der Beantwortung dieser Frage treffen immer wieder teils extreme Welten aufeinander. Auf der einen Seite befinden sich u.U. die Denker, die es für sich in Anspruch nehmen, alle Gegebenheiten und Konflikte, denen man in der realen Realität (und nicht der virtuellen) begegnet, auf möglichst abstrakte Weise geistig zu durchdringen. Es ist dabei stets von Vorteil, noch ein bisschen abstrakter als der Vorredner zu kommunizieren, um sich auf diese Weise auf eine höhere Ebene zu begeben, um von dort aus in die Niederungen der Massendiskussion hinab zu blicken. Nicht wirklich verstanden zu werden ist Ausweis der eigenen Genialität. Auf der anderen Seite lassen sich die nach eigener Einschätzung wirklich ehrlichen Arbeiter finden. Nur das Konkrete kann Gutes bewirken. Dabei wird dann häufig die Auswirkung des schönen kleinen konkreten Projektes mehr als überschätzt. Aktionismus wird häufig höher bewertet als Planung. Was kümmern auch Rahmenbedingungen, die von der eigenen bodenständigen Warte aus nicht erblickt werden (können)?

Muss es wirklich nach diesem (bewusst überzeichnetem) Muster ablaufen?

Ein Blick in die Vergangenheit verheißt eventuell die Relativierung solch extremer Positionierungen. Denkt man an die Wochen und Monate vor dem Mauerfall zurück, so sind es häufig zwei Bilder, die die Erinnerung der Menschen prägen, die zu der Zeit in Ost und West die mediale Diskussion verfolgt haben. Zum einen ist es das Bild der betenden und diskutierenden Menschen in den Kirchen und den runden Tischen. Es war damals wichtig, den Sachverhalt, der weitreichende – ebenso wie der Klimawandel es mit sich bringen wird – Implikationen der Wirkungslogiken eines Systems mit sich bringen sollte, zu verstehen und zu prüfen, ob diese wichtigen Sachverhalte tatsächlich auch von anderen Menschen so gesehen wurden. Folge dieser Diskussionen, die ja bereits Jahre vor dem Mauerfall eingesetzt haben, war der Konsens darüber, dass irgendetwas in dem damaligen System nicht richtig war.

Einer der wichtigsten Funken, die schließlich zu den bekannten Entwicklungen geführt hat, war dann aber das paneuropäische Frühstück an der Grenze zwischen Österreich und Ungarn. Die Bilder der Schere, die ganz konkret den Zaun durchschnitt, der das obsolete System bis dato vor dem Verfall schützte, war dann das Projekt, welches seine Wirkung erst im fortgeschrittenen gesellschaftlichen Diskurs entfalten konnte.

Ähnlich verhält es sich nunmehr mit der Diskussion und den Projekten, die sich mit Folgen oder Voraussetzungen eines globalen Wandels befassen. Das Verbot der Glühbirne wirft eben dann Konflikte auf, wenn vorher nicht in einem diskursiven Erkenntnisprozess die Auswirkungen dieses Verbots auf die Gesundheit der Menschen abgeprüft wurde. Die Abwrackprämie hat ihre ansatzweise Tauglichkeit für die Abmilderung der Finanzkrise auf die Autowirtschaft zwar unter Beweis gestellt. Die gesellschaftlichen oder bildungspolitischen Folgen dieser Entscheidung – Investitionen in Blech statt in Köpfe – sind aber leider erst im Nachhinein in den Diskurs eingegangen.

Den Vertretern beider Extrempositionen – die es zum Glück nicht in großer Zahl gibt – sei an das Herz gelegt, die eigene Position besser zu relativieren und zu verstehen, dass Diskussion ohne Umsetzung genauso wenig Sinn macht wie eine Umsetzung ohne Beachtung der Rahmenbedingungen. Beide Seiten sind unbedingt aufeinander angewiesen. Wie kann man aber besser und produktiver zueinander finden?

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“Es geht um unsere gemeinsame Zukunft auf diesem Globus – gestalten wir sie menschlich und nachhaltig, für uns und künftige Generationen!”

Die Finanz- und Wirtschaftskrise beherrscht die aktuelle Berichterstattung. Wer allerdings genauer hinschaut, bemerkt schnell: Erst das Zusammenwirken verschiedener Mega-Trends (z.B. Klimaveränderungen, Energieverknappung, demographischer Wandel, etc.) produziert die eigentliche und globale Sprengkraft.

Wir alle müssen uns damit auseinandersetzen, wenn wir unsere Zukunft gestalten – und sie nicht nur auf uns zukommen lassen wollen. Das Internet spielt dabei eine elementare Rolle: Es kann die Menschen über verschiedene Kulturkreise hinweg vernetzen und dabei helfen, gemeinsam Lösungen für die drängenden Probleme der Gegenwart zu finden.

Dies ist der Kern des GlobalFutureCamp 09: Menschen zueinander bringen, die mit Hilfe des Internets die Lebensbedingungen der Bewohner dieser einen Welt verbessern wollen. Wir wollen sowohl die technischen Aspekte (Lösungen, Applikationen, etc.) als auch deren soziale Implikationen für künftige Entwicklungen in unserer Gesellschaft und auf unserem Planeten diskutieren.

Eckdaten zum GlobalFutureCamp 09:

* Zeit: 18.-19.09.09 (ganztägig)
* Ort: Kalkscheune Berlin
* Format: Bar Camp Format
* Fokus: Globale Zukunftstrends

Mehr unter: www.globalfuturecamp.de